Ritterhude: viel kleinere Anlage – trotzdem riesiger Schaden (Pressemitteilung)


Ritterhude: Folgen der Explosion ein wesentlich kleineren Anlage - mittem im Wohngebiet (Quelle: RadioBremen)

Ritterhude: Folgen der Explosion ein wesentlich kleineren Anlage – mittem im Wohngebiet (Quelle: RadioBremen)

12.09.2014 „Selbstverständlich wäre ein Schadensszenario wie in Ritterhude auch in Bremen denkbar“ wird in der heutigen Ausgabe des WeserKuriers die Sprecherin der Innenbehörde zitiert (Artikel hier lesen…).

Auch die Bürgerinitiative weist mit ihrer heutigen Pressemitteilung (s.u.) auf diesen Missstand hin und fordert zum wiederholten Male die Politik auf, es beim Tanklager Farge nicht nur bei Absichten zur Schließung zu belassen, sondern endlich aktiv und fordernd zu handeln.

Ein Bilderserie des WeserKurier zeigt außerdem , wie z.T. quasi mit Vorankündigung, es schon mehrfach zu Explosionen inmitten von Wohngebieten kam. Alles geprüfte Anlagen, alles angeblich sicher…

Pressemitteilung im Wortlaut

2014-09-12 PM Explosion RitterhudeMit Bestürzung reagierten die Mitglieder der Bürgerinitiative Tanklager Farge e.V. auf die Explosion auf dem ehemaligen BERGOLIN Gelände in Ritterhunde. „Die Nachricht hat uns zutiefst erschüttert!“ äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende Olaf Rehnisch „Denn das hätte auch in Farge passieren können.“

Seit längerem weist die BI in ihren öffentlichen Bürgerversammlungen auf vergleichbare Gefährdungen hin, die vom Tanklager Farge ausgehen. „Es ist eine Tatsache, dass Treibstoff führende Pipelines sowohl mitten durch das Farger Wohngebiet als auch in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens entlang führen. Bei einem Störfall muss hier mindestens von einem ähnlichen Schadensausmaß ausgegangen werden.“ In Ritterhude hatte die Explosion noch in einem Abstand von rund einem Kilometer schwere Schäden an der Wohnbeauung verursacht.

Ähnlich wie am Tanklager Farge, waren in Ritterhude in den letzten Jahrzehnten die Häuser immer dichter an das BERGOLIN-Gelände herangewachsen, ohne dass die davon ausgehenden Gefahren thematisiert wurden. Erst in den letzten Jahren regte sich der Wiederstand der Anwohner und eine BI wurde gegründet. „Die Gefährdungen, wie sie vom Tanklager Farge ausgehen beziehungsweise auch vom BERGOLIN-Gelände ausgegangen sind, werden häufig von der Politik und den Behörden verdrängt!“ beklagt die Sprecherin und Vorsitzende der BI Tanklager Farge, Heidrun Pörtner. „Vielfach wird erst reagiert, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und Menschen zu Schaden gekommen sind. Das ist für die Bevölkerung nicht zumutbar!“

„Unsere BI versucht mittels Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranträgen auf diese Umstände aufmerksam zu machen. Doch leider versanden unsere Anträge häufig im Zuständigkeits-Wirr-Warr der Behörden!“ kommentiert Rehnisch. „So haben wir bereits vor einem Jahr sowohl beim zuständigen Ortsamt Bremen-Blumenthal als auch bei der Bremer Gewerbeaufsicht angefragt, welche Alarm- und Rettungspläne für die Oberschule an den Sandwehen existieren, die sich nur 250 Meter entfernt von mehreren unterirdischen Tanks, mit einem ges. Fassungsvolumen von 100.000 m³ Treibstoff, befindet. Bisher haben wir leider keine schlüssige Antwort erhalten. Vielmehr wird unsere Anfrage als ‚Panikmache‘ gewertet.“ Da petrochemische Großanlagen, wie das Tanklager Farge, der Störfall-Verordnung der 12.Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (12. BImschV) unterliegen, müssen Notfallpläne sowohl den unmittelbaren Anliegern ausgehändigt als auch öffentlich einsehbar gemacht werden.

„Anlagen mit einem solchen Gefahrenpotenzial, wie sie das BERGOLIN-Gelände aufgewiesen hat und das Tanklager Farge noch immer aufweist, gehören nicht in die unmittelbare Nähe von Wohngebieten, andernfalls passieren Dinge, wie sie jetzt in Ritterhude passiert sind. Das Ganze wird noch zusätzlich verschärft, wenn die Anlagen wie in Farge in großem Umfang über Technik aus dem 30er Jahren des letzten Jahrhunderts verfügen!“, so der 2. Vorsitzende Henning Leber. „Das Bundesland Nordrhein-Westphalen hat aus diesem Grund eine sogenannte ‚Abstandsregel‘ erlassen. Dies verhindert, dass sich gefährliche Industrieanlagen und Wohngebiete zu nahe kommen.“ An den Gefährdungen ändere auch der Umstand nichts, dass aktuell vereinzelte Tanklager-Lobbyisten daran arbeiten, Entscheidungsträger von der vermeintlichen Sicherheit des Tanklages Farge zu überzeugen. „Alt bleibt nun mal alt.“, meint Leber.

Aufgrund der vom Tanklager Farge ausgehenden massiven Grundwasserverunreinigung mit Mineralkraftstoffen als auch der vorhandenen Betriebsgefahren, setzt sich die Bürgerinitiative Tanklager Farge seit 2012 für eine schnellstmögliche Schließung und den vollständigen Rückbau des Tanklagers ein. „Jetzt heißte es anpacken und Nägel mit Köpfen zu machen“ ruft Heidrun Pörtner auf. „Ähnlich wie Fr. Geils, die sich als Ritterhuder Bürgermeisteren, gegen einen Wiederaufbau der Hallen auf dem ehemaligen BERGOLIN-Geländes ausspricht, ist nun auch an der Bremer Politik, einen endgültigen Schlussstrich unter das Kapitel ‚Tanklager‘ zu ziehen und sich nicht länger hinhalten zu lassen.“

Das Tanklager Farge wurde ab den 1930er Jahren im Rahmen der Kriegsvorbereitungen gebaut. Es ist das größte künstlich angelegte unterirdische Flüssigtreibstofflager der Welt und als einzige Industrieanlage des 3. Reiches noch im Betrieb. Zur Zeit befindet es sich wegen der beabsichtigten Schließung im sog. „Stillstandbetrieb“, der allerdings die Betriebsgenehmigung aufrecht erhält. Die Sanierungen der entstandenen Grundwasserschäden dauern nach einem ersten Plan mindestens 30 Jahre. Allerdings fehlen in der Planung bislang die zu erreichende Zielwerte und genauere Maßnahmen dazu.

Die Bürgerinitiative wurde 2012 gegründet und vertritt mit ihren über 400 Mitgliedern ca. 8.000 direkt betroffene Nord-Bremer Bürgerinnen und Bürger. Ziel der BI ist die lückenlose Aufklärung aller Umweltschäden durch das Tanklager Farge, dessen endgültige Stilllegung, eine deutliche forcierte und zielgerichtete Sanierung sowie die Erstellung umweltverträglicher Nachnutzungskonzepte.

Pressemitteilung hier als PDF lesen…

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