Nordwest-Radio: „Nach dem großen Knall – Ritterhude steht weiter vor offenen Fragen“ (mit Beteiligung der BI)

Nordwestradio26.10.2014 Schlimm, wenn man begründete Bedenken wegen eines Störfallbetriebs wie dem Tanklager Farge inmitten eines Wohngebietes haben muss. Aber viel schlimmer, wenn diese Benken wie in Ritterhude wahr werden! Auch die BI „Tanklager Farge“ e.V. hat wiederholt auf diese Problematik hingewiesen – zuletzt auf der 13. Anwohnerversammlung (Video hier…).

Auch gut einen Monat nach der Explosion des Chemiebetriebs in Ritterhude ist die Ursache nicht geklärt. Auf die Gefahren wurde seit vielen Jahren hingewiesen, vor allem wegen der unmittelbaren Nähe zu den Wohnhäusern. Seit 1983 expandierte die 2014-09-12 RitterhudeFirma „Organo Fluid“. Anwohner wie Uwe Vanester waren schon seit Jahren beunruhigt: „Passt auf, irgendwann fliegt uns das Ding um die Ohren“. Heute wohnt er mit seiner Familie in einem Wohnmobil. Er hofft, dass er bis Weihnachten wieder in sein schwer beschädigtes Reihenhaus in der Kiepelbergstraße einziehen kann. Bis dahin sehen er und andere Anwohner zu, wie Trümmer geräumt und Bodenproben genommen werden. Mehrere Container mit giftigen Gasen und Chemikalien wurden vom Firmengelände entfernt. Die Spurensuche in den Trümmern und die Aufräumarbeiten werden nach Angaben der Polizei noch Monate andauern.

Unter dem Titel

Nach dem großen Knall:
Gemeinde Ritterhude steht weiterhin vor offenen Fragen

findet am
Dienstag, 28. Oktober 2014
von 14:00-15:00 Uhr

die öffentliche Aufzeichnung der Sendung von Nordwest-Radio statt. Link zur Info-Seite Nordwest Radio

Seien sie ab 14 Uhr dabei im Hamme Forum, Riesstraße 11 in Ritterhude (Routenplaner: hier klicken…), oder hören Sie die Sendung am selben Tag im Nordwestradio ab 18:00 Uhr

Teilnehmer:

  • Susanne Geils  (SPD, Bürgermeisterin Ritterhude)
  • Richard Eckermann (Dezernent, Landkreis Osterholz)
  • Jerzy Gohlke (Leiter des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes Cuxhaven)
  • Vertreter der Interessengemeinschaft Kiepelbergstrasse
  • Henning Leber, Bürgerinitiative „Tanklager Farge“ e.V.
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13. öffentliche Anwohnerversammlung 07.10.2014 (Video)

21.10.2014 Das erste Mal eine schriftliche, behördliche Bestätigung: das Tanklager soll geschlossen werden – soll, d.h. allerdings auch, man ist immer noch nicht weiter, als die Absicht zu erklären. Denn noch ist das Tanklager im betriebsbereiten Zustand, die Betriebsgenehmigung gilt bislang weiter!

Dies und viele andere spannende Themen sehen Sie in unserer Aufzeichnung der 13. Anwohnerversammlung „Tanklager Farge – endlich Geschichte?“ vom 07.10.2014.

Wenn Sie einen allgemeinen Einstieg in die Thematik suchen, empfehlen wir Ihnen außerdem unser Video „Tanklager Farge – Bau, Betrieb, Risiken… und Folgen“.

 

Video direkt bei YouTube ansehen…

00:00:00 Begrüßung / Vorstellung des Programms (Heidrun Pörtner)
00:04:28 Spendenaufruf Ritterhude
00:05:40 Wie geht es weiter mit dem Tanklager Farge? Schreiben des Gewerbeaufsichtsamts (GAA) Bremen zur definitiven Stilllegung
00:15:55 Rückblick: „Masterplan“ Sanierung / Gespräche mit Umweltamt / Präsentation im Beirat Blumenthal (Dipl.-Ing. Henning Leber)
00:08:13 Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein
00:22:19 Parallelen zur Explosion der Störfallanlage in Ritterhude
00:24:50 8. Sachstandsbericht: Kontamination breitet sich ungehindert weiter aus (Dipl.-Ing. Olaf Rehnisch)
00:48:20 Ihre Fragen bitte! – Fragestunde und Antworten auf die abgegebenen Fragen der Anwohner
01:44:52 Schlusswort / Termine (Henning Leber)

Zwischenablage-2

Ritterhude: viel kleinere Anlage – trotzdem riesiger Schaden (Pressemitteilung)

Ritterhude: Folgen der Explosion ein wesentlich kleineren Anlage - mittem im Wohngebiet (Quelle: RadioBremen)

Ritterhude: Folgen der Explosion ein wesentlich kleineren Anlage – mittem im Wohngebiet (Quelle: RadioBremen)

12.09.2014 „Selbstverständlich wäre ein Schadensszenario wie in Ritterhude auch in Bremen denkbar“ wird in der heutigen Ausgabe des WeserKuriers die Sprecherin der Innenbehörde zitiert (Artikel hier lesen…).

Auch die Bürgerinitiative weist mit ihrer heutigen Pressemitteilung (s.u.) auf diesen Missstand hin und fordert zum wiederholten Male die Politik auf, es beim Tanklager Farge nicht nur bei Absichten zur Schließung zu belassen, sondern endlich aktiv und fordernd zu handeln.

Ein Bilderserie des WeserKurier zeigt außerdem , wie z.T. quasi mit Vorankündigung, es schon mehrfach zu Explosionen inmitten von Wohngebieten kam. Alles geprüfte Anlagen, alles angeblich sicher…

Pressemitteilung im Wortlaut

2014-09-12 PM Explosion RitterhudeMit Bestürzung reagierten die Mitglieder der Bürgerinitiative Tanklager Farge e.V. auf die Explosion auf dem ehemaligen BERGOLIN Gelände in Ritterhunde. „Die Nachricht hat uns zutiefst erschüttert!“ äußerte sich der stellvertretende Vorsitzende Olaf Rehnisch „Denn das hätte auch in Farge passieren können.“

Seit längerem weist die BI in ihren öffentlichen Bürgerversammlungen auf vergleichbare Gefährdungen hin, die vom Tanklager Farge ausgehen. „Es ist eine Tatsache, dass Treibstoff führende Pipelines sowohl mitten durch das Farger Wohngebiet als auch in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens entlang führen. Bei einem Störfall muss hier mindestens von einem ähnlichen Schadensausmaß ausgegangen werden.“ In Ritterhude hatte die Explosion noch in einem Abstand von rund einem Kilometer schwere Schäden an der Wohnbeauung verursacht.

Ähnlich wie am Tanklager Farge, waren in Ritterhude in den letzten Jahrzehnten die Häuser immer dichter an das BERGOLIN-Gelände herangewachsen, ohne dass die davon ausgehenden Gefahren thematisiert wurden. Erst in den letzten Jahren regte sich der Wiederstand der Anwohner und eine BI wurde gegründet. „Die Gefährdungen, wie sie vom Tanklager Farge ausgehen beziehungsweise auch vom BERGOLIN-Gelände ausgegangen sind, werden häufig von der Politik und den Behörden verdrängt!“ beklagt die Sprecherin und Vorsitzende der BI Tanklager Farge, Heidrun Pörtner. „Vielfach wird erst reagiert, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und Menschen zu Schaden gekommen sind. Das ist für die Bevölkerung nicht zumutbar!“

„Unsere BI versucht mittels Öffentlichkeitsarbeit und Bürgeranträgen auf diese Umstände aufmerksam zu machen. Doch leider versanden unsere Anträge häufig im Zuständigkeits-Wirr-Warr der Behörden!“ kommentiert Rehnisch. „So haben wir bereits vor einem Jahr sowohl beim zuständigen Ortsamt Bremen-Blumenthal als auch bei der Bremer Gewerbeaufsicht angefragt, welche Alarm- und Rettungspläne für die Oberschule an den Sandwehen existieren, die sich nur 250 Meter entfernt von mehreren unterirdischen Tanks, mit einem ges. Fassungsvolumen von 100.000 m³ Treibstoff, befindet. Bisher haben wir leider keine schlüssige Antwort erhalten. Vielmehr wird unsere Anfrage als ‚Panikmache‘ gewertet.“ Da petrochemische Großanlagen, wie das Tanklager Farge, der Störfall-Verordnung der 12.Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (12. BImschV) unterliegen, müssen Notfallpläne sowohl den unmittelbaren Anliegern ausgehändigt als auch öffentlich einsehbar gemacht werden.

„Anlagen mit einem solchen Gefahrenpotenzial, wie sie das BERGOLIN-Gelände aufgewiesen hat und das Tanklager Farge noch immer aufweist, gehören nicht in die unmittelbare Nähe von Wohngebieten, andernfalls passieren Dinge, wie sie jetzt in Ritterhude passiert sind. Das Ganze wird noch zusätzlich verschärft, wenn die Anlagen wie in Farge in großem Umfang über Technik aus dem 30er Jahren des letzten Jahrhunderts verfügen!“, so der 2. Vorsitzende Henning Leber. „Das Bundesland Nordrhein-Westphalen hat aus diesem Grund eine sogenannte ‚Abstandsregel‘ erlassen. Dies verhindert, dass sich gefährliche Industrieanlagen und Wohngebiete zu nahe kommen.“ An den Gefährdungen ändere auch der Umstand nichts, dass aktuell vereinzelte Tanklager-Lobbyisten daran arbeiten, Entscheidungsträger von der vermeintlichen Sicherheit des Tanklages Farge zu überzeugen. „Alt bleibt nun mal alt.“, meint Leber.

Aufgrund der vom Tanklager Farge ausgehenden massiven Grundwasserverunreinigung mit Mineralkraftstoffen als auch der vorhandenen Betriebsgefahren, setzt sich die Bürgerinitiative Tanklager Farge seit 2012 für eine schnellstmögliche Schließung und den vollständigen Rückbau des Tanklagers ein. „Jetzt heißte es anpacken und Nägel mit Köpfen zu machen“ ruft Heidrun Pörtner auf. „Ähnlich wie Fr. Geils, die sich als Ritterhuder Bürgermeisteren, gegen einen Wiederaufbau der Hallen auf dem ehemaligen BERGOLIN-Geländes ausspricht, ist nun auch an der Bremer Politik, einen endgültigen Schlussstrich unter das Kapitel ‚Tanklager‘ zu ziehen und sich nicht länger hinhalten zu lassen.“

Das Tanklager Farge wurde ab den 1930er Jahren im Rahmen der Kriegsvorbereitungen gebaut. Es ist das größte künstlich angelegte unterirdische Flüssigtreibstofflager der Welt und als einzige Industrieanlage des 3. Reiches noch im Betrieb. Zur Zeit befindet es sich wegen der beabsichtigten Schließung im sog. „Stillstandbetrieb“, der allerdings die Betriebsgenehmigung aufrecht erhält. Die Sanierungen der entstandenen Grundwasserschäden dauern nach einem ersten Plan mindestens 30 Jahre. Allerdings fehlen in der Planung bislang die zu erreichende Zielwerte und genauere Maßnahmen dazu.

Die Bürgerinitiative wurde 2012 gegründet und vertritt mit ihren über 400 Mitgliedern ca. 8.000 direkt betroffene Nord-Bremer Bürgerinnen und Bürger. Ziel der BI ist die lückenlose Aufklärung aller Umweltschäden durch das Tanklager Farge, dessen endgültige Stilllegung, eine deutliche forcierte und zielgerichtete Sanierung sowie die Erstellung umweltverträglicher Nachnutzungskonzepte.

Pressemitteilung hier als PDF lesen…