Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen an die BI

24.11.2015 Ende September schrieb der Verein „BI Tanklager Farge“ e.V. zum zweiten Mal Bundesfinanzimister Dr. Schäuble an mit der Bitte, Fragen zur aktuellen Situation rund um das Tanklager Farge zu beantworten (Schreiben hier nachlesen…).

Die Antwort belegt einen bereits stattfindenden Rückbau der Anlage! Man ist mit den Bremer Behörden noch in Klärung, über den final zu erreichenden Zustand des Rückbaus. Eine erfreuliche Entwicklung, die wohl auch durch das noch bestehende Interesse eines möglichen Betreibers nicht mehr rückgängig gemacht werden kann
WeserKurierexterner Link: Artikel im Weser-Kurier)

Die Sanierungsbemühungen scheinen sich allerdings weiterhin und entgegen der aufgezeigten Möglichkeiten nur auf das Tanklager-Gelände zu konzentrieren. Die riesige Schadstoff-Fahne außerhalb wir anscheinend weiter nicht saniert. Eine Entwicklung, die der Verein „BI Tanklager Farge“ e.V. kritisch sieht (Pressemitteilung dazu hier lesen…).

Alles in allem ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

 

Lesen sie hier das Schreiben im Wortlaut (Originalschreiben als PDF hier herunterladen…)

BMFi Adler

Bundesministerium der Finanzen
DATUM 3. November 2015

GZ:         VIII A 1 – FB 3070/06/0002 :O15
DOK:     2015/0986695
(bei Antwort bitte GZ und DOK angeben)

 

Tanklager Bremen-Farge
Ihr Schreiben vom 27. September 2015

Sehr geehrte Frau Pörtner,
sehr geehrter Herr Leber,
sehr geehrter Herr Rehnisch,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 27. September 2015 an Herrn Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, der mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.

Die Liegenschaft des Tanklagers Bremen-Farge befindet sich im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und ist weiterhin dem Ressortvermögen des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) zugeordnet. Insoweit ist das Gelände nach wie vor Militärischer Bereich, wird bewacht und es bleiben alle bisherigen Sicherheitseinrichtungen aktiviert.

Entgegen ihrer Darstellung sind im Tanklager bereits erste Rückbaumaßnahmen maßgeblicher Betriebsteile eingeleitet beziehungsweise (bzw.) vollzogen. Alle Großtanks (Behälterblöcke) sind geleert. Geringe Restmengen an Kraftstoffen, die durch das Reinigen der Tanks anfallen, wurden fachgerecht zwischengelagert und sind bzw. werden fachgerecht entsorgt. Die Verbindung zum Hafen (Mitteltrasse) ist getrennt und befindet sich bereits in der Phase der endgültigen Stilllegung. Zurzeit werden die Behälterblöcke im Tanklager nach einem festgelegten Reinigungsplan gewaschen und für die endgültige Stilllegung vorbereitet. Gleiches gilt für die im Tanklager befindlichen Rohrleitungen. Alle Ex-Bereiche werden bereits schrittweise zurückgebaut, so dass das Tanklager in den Zustand eines normalen Industriebaus versetzt wird. Das Tanklager unterliegt aufgrund der vorhandenen Restmengen an Kraftstoffen schon jetzt nicht mehr der Störfall-Verordnung (Zwölfte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes – 12. BImSchV).

Mit den zuständigen Behörden laufen derzeit die Abstimmungen, in welchen Zustand das Gelände nach der endgültigen Stilllegung versetzt wird.

Gleichfalls entgegen Ihren Ausführungen findet eine kontinuierliche Bearbeitung der lokalisierten Kontaminationsschwerpunkte im o. g. Tanklager statt. Dazu zählt u.a. auch der Verladebahnhof II. Neben der bereits bestehenden Sanierungsanlage am Verladebahnhof II und der Installation einer weiteren Sanierungsanlage am Verladebahnhof I war und ist auch die Sanierung der abstromigen Kontaminationsfahne fester Bestandteil der erforderlichen und geplanten Maßnahmen am Verladebahnhof II. Hierbei fließen die Erkenntnisse aus der laufenden Sanierung am Verladebahnhof II in mögliche zur Anwendung kommende Sanierungsverfahren für die Abstromsanierung ein, wobei auf die Betrachtung der mikrobiologischen Prozesse ein besonderer Schwerpunkt gelegt wird. Da es sich bei der Auswertung der ablaufenden mikrobiologischen Prozesse um komplexe und längerfristige Maßnahmen zur Bestimmung entsprechender Vorgänge und deren Reichweiten bzw. Auswirkungen im Untergrund handelt, ist eine kurzfristige Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen nicht innerhalb eines Jahres realisierbar, sondern beansprucht mitunter Zeiträume von zwei bis drei Jahren.

Der Leitstelle des Bundes für Boden- und Grundwasserschutz/Kampfmittelräumung ist das Gutachten des Dipl. Geologen Georg Kafuhser-Groundsolution GmbH bekannt. Das Kompetenzzentrum Baumanagement Hannover des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBW KompZ BauMgmt H) wurde seitens des Bremer Senators für Umwelt, Bau und Verkehr gebeten, zu zwei Punkten des Gutachtens Stellung zu nehmen. Dies ist im September 2015 erfolgt.

Der 9. und 10. Sanierungs-Sachstandsbericht sind dem Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr ebenfalls im September 2015 zugeleitet worden und können auf der dortigen Internetpräsenz eingesehen werden.

Ich hoffe, Ihre Fragen damit beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

lm Auftrag

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Viel Arbeit im Hintergrund – für unser Bremer Trinkwasser

14.10.2015 So ruhig bei der BI? Mitnichten: wir sind mit Hochdruck hinterher, dass Bundesminister Schäuble und sein Ministerium endlich auf den eingebrachten Sanierungsvorschlag reagieren und eine klare Terminplanung erstellen zu lassen.

Schreiben an den Bundesfinanziminister Dr. Schäuble

Schreiben an den Bundesfinanziminister Dr. Schäuble (PDF)

Ungewöhnlich für Behörden: der Eingang des letzten Schreibens (per Einschreiben!) mit den Unterschriften der Petititon wurde nie bestätigt. Auch für das aktuelle Schreiben (Schreiben an Dr. Schäuble (PDF), Schreiben an Dr. Schäuble (Text)) haben wir den Rückschein des Einschreibens erhalten – aber noch keine Reaktion.

Die dem Umweltamt Bremen bereits im Mai 2015 vorgelegte und vorgestellte Stellungnahme des Herrn Dipl. Geol. Georg Karfusehr wurde noch vor den Sommerferien an die Oberfinanzdirektion Niedersachsen zwecks Beurteilung weitergeleitet. Die Stellungnahme beinhaltet fachlich fundamentierte Vorschläge, wie die Schadstofffahnen innerhalb von ca. 10 Jahren saniert werden könnten. Eine daraufhin neue Einschätzung zur Sanierungsmöglichkeit seitens der Oberfinanzdirektion wird nach nunmehr über 5 Monaten weiter erwartet.

Der Beirat Blumenthal hat den Tanklagerausschuss gegründet und bereitet mit den „sachkundigen Bürgern“ die gemeinsame, öffentliche Arbeit vor. Unser erlangtes Wissen wird direkt weitergegeben und somit steht einer zielorientierten Arbeit nichts im Wege. Erster geplanter Termin ist voraussichtlich der 26.10.’15. (alle Termine: hier nachlesen…)

Und nach vielen Nachfragen hat der Umweltsenator endlich die überfälligen Sachstandsberichte externer Link… die wieder nichts Gutes verheißen. Bei der ersten Durchsicht erscheint die Verseuchung des Grundwassers noch erheblicher zu sein als vermutet. Wir werden dieses Gutachten wieder verständlich aufzubereiten.

Und unsere (geschobene) nunmehr schon 17. Anwohnerversammlung am 24.11.’15 will vorbereitet sein. Also viel Arbeit im Hintergrund, denn es gilt noch so viel zu bewegen – oder überhaupt in Bewegung zu bringen!
Haben Sie Fragen, Anregungen oder wollen mithelfen? Am Freitag 16.10.’15 trifft sich ab 19 Uhr der öffentliche Arbeitskreis wieder im Gemeindehaus der ev.-ref. Kirchgemeinde Rönnebeck Farge.

Trinkwasser geht uns alle an!

Schreiben vom 27.09.2015 an den Bundesfinanzminister Dr. Schäuble

EINSCHREIBEN Eigenhändig Rückschein
Herrn Dr. Wolfgang Schäuble
Bundesministerium der Finanzen
Postfach
11016 Berlin

Bremen, den 27.09.2015

Betreff: Tanklager Bremen-Farge
Bezug: Unser Schriftstück vom 28.01.2014

Sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

erneut erlauben wir uns, Ihnen in der Sache Stilllegung Tanklager Bremen-Farge zu schreiben, da für diese Liegenschaft demnächst Ihr Ministerium zuständig sein wird.

Leider ist unser Schreiben vom  28.01.2014 (Anlage 1) seitens Ihres Ministeriums nicht beantwortet worden. Allerdings wurde uns am 14. Mai 2014  aus dem Bundesministerium der Verteidigung, nach wiederholter Anfrage, folgendes schriftlich bestätigt (Anlage 2): „ …, dass die Kündigung des Vertrages zum Stillstandsbetrieb des Tanklagers durch die Bundeswehr zum 30. Juni 2014 ein erster Schritt zur endgültigen Stilllegung des Tanklagers sei. Die Bundeswehr ist verpflichtet, Liegenschaften …, die dauerhaft militärisch entbehrlich sind, an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) abzugeben. Die BImA ist dann für die Verwertung zuständig; die Bundeswehr nimmt darauf keinen Einfluss.“

Auch hat uns am 17.09.2014 ein Schreiben des Amtes der Gewerbeaufsicht des Landes Bremen erreicht, in dem uns Amtsleiter Jörg Henschen freundlicher Weise schriftlich bestätigt Zitat:“,dass das Bundesministerium für Verteidigung und das Bundesministerium für Finanzen endgültig festgelegt haben, dass das Tanklager Farge nicht mehr verkauft, sondern stillgelegt wird.“ (Anlage2),

Tatsächlich wurde aber bis heute nur die Anzeige über die beabsichtigte Betriebseinstellung einer genehmigungsbedürftigen Anlage (Anlage3) im Sinne des § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) – Anzeige (Anlage 3) nach § 15 Abs. 3 BImSchG beim Gewerbeaufsichtsamt des Landes Bremen eingereicht. Aber bisher sind keine baulichen Fakten geschaffen worden und wir fragen uns: weshalb nicht? Der bisherige Hinweis seitens des Bundeswehr Dienstleistungszentrum Oldenburg in dieser beabsichtigen Betriebseinstellung, dass Termine „auf Grund der Größenordnung zurzeit nicht planbar“ seien ist für uns Bürger nicht akzeptabel. Planerische Abweichungen kommen in jedem Projekt vor, aber „nicht planbar“ entspricht nicht unseren Erwartungen an die beteiligten Ministerien.

Herr Dr. Schäuble, um Spekulationen in Richtung Weiterbetrieb des Tanklagers entgegen zu wirken, ersuchen wir Sie um eine eindeutige amtliche Bekanntmachung, wie die Rückgabe der Betriebskonzession, die Stilllegungsanzeige oder den Rückbau maßgeblicher Betriebsteile (Löschhafen oder Verladebahnhof II)  des Tanklagers.

Durch das Ortsamt Blumenthal wird z.Z. eine Besichtigung des Areals organisiert. Vielleicht ist dies die Gelegenheit einen Vertreter Ihres Ministeriums zu entsenden, um vor Ort sich in Gesprächen mit uns Bürgern ein Bild über die gegenwärtige Situation zu machen. Wie Sie sicher wissen, gehört zu Historie des Tanklagers, die ihre Wurzeln im 3. Reich hat, ebenfalls der Denkort U-Boot-Bunker Valentin, der Geschichtslehrpfad Lagerstraße und der Dokumentations- und Lernort Baracke Wilhelmmine. Es wäre daher eine verpasste Chance, wenn nicht ein Teil des Tanklagers als Museum hergerichtet werden könnte.

Des Weiteren verstehen wir nicht, weshalb die Sanierungsbemühungen der Schadstofffahnen am Verladebahnhof II ins Stocken geraten sind. Bremens einziges Trinkwasserschutzgebiet ist bereits jetzt empfindlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Jeder Tag ohne Sanierungsfortschritt bedeutet ein weiteres Ausschwemmen der Giftstoffe in Richtung der in unmittelbarer Nähe befindlichen Förderbrunnen des Wasserwerks Bremen-Blumenthal. Und damit eine erhöhte Gefährdung unseres Trinkwasser.

Nur durch die Öffentlichkeitsarbeit unseres Vereines, ist es gelungen eine vielversprechende Stellungnahme (Anlage 4) des mit vergleichbaren Schadstoff-Sanierungen erfahrenen Dipl. Geol. Gorg Karfusehr zu erhalten. Seine Ausführungen zeigen deutlich die Möglichkeiten auf, die Schadstoffahnen von der Schadstoffquelle zu trennen, damit diese anschließend innerhalb relativ kurzer Zeit saniert werden können. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen hat diese Stellungnahme der Leitstelle des Bundes für Boden- und Grundwasserschutz/Kampfmittelräumung in Hannover vorgelegt. Eine Stellungnahme der Leistelle liegt uns bisher nicht vor

Leider müssen wir in diesem Zusammenhang auch anmerken, dass seit der Veröffentlichung des 8. Sachstandberichtes vom 13.03.2014 (Anlage 5), den betroffenen Bürgern keine weiteren Informationen zur Verfügung gestellt werden. Dringend bitten wir daher um eine Erklärung, weshalb seit der Herausgabe des 8. Sachstandberichts keine weiteren Sachstandbericht (9., 10. und 11.) veröffentlicht werden sowie um die Benennung eines Termins, ab wann die vorgeschlagenen Sanierungsintensivierungen umgesetzt werden.

In Erwartung einer baldigen Antwort unseres Anliegens verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

gez. Heidrun Pörtner
1. Vorsitzende
gez. Henning Leber
2. Vorsitzender
gez. Olaf Rehnisch
stellv. Vorsitzender

Anlagen:

Jetzt handeln! Briefe an Frau Dr. von der Leyen und Herrn Dr. Schäuble

bundesadler-neu28.01.2013 Nicht nur über 1.300 Unterzeichner der Petition: am 21. Januar hat sich die Bremer Bürgerschaft einstimmig gegen einen Weiterbetrieb des Tanklagers ausgesprochen und neben der Sanierung und Erstellung von Nachnutzungskonzepten eine endgültige Stilllegung durch Rückgabe der Betriebserlaubnis durch den Bund gefordert. (Kommentare aus der Online-Peition hier lesen …)

Da dieser Entschluss für den Bund als Eigner und Verkäufer der Liegenschaft nicht bindend ist, fordert die Bürgerinitiative nun dringend Frau Dr. von der Leyen, die als Verteidigungsministerin für den momentanen „Betrieb ohne Medium“ verantwortlich ist und Herrn Dr. Schäuble, der als Finanzminister Seitens des Bundes die Eigentümerseite vertritt auf, den für das gesamte Bundesland Bremen geäußerten Willen entsprechende Taten folgen zu lassen!

Die Briefe im Wortlaut

Sehr geehrte Frau  Dr. von der Leyen,
sehr geehrter Herr Dr. Schäuble,

das Tanklager Farge stellt für uns Menschen in Bremen-Nord eine vielfache Bürde dar: angefangen mit der Historie seiner Errichtung im Rahmen der Vorbereitung des 2. Weltkriegs über den störfallbehafteten Betrieb der zurückliegenden Jahrzehnte bis zu den heute vorhandenen umfangreichen Umweltschäden durch den Tanklagerbetrieb.

Die historische Aufarbeitung des direkt angeschlossenen U-Boot-Bunkers „Valentin“  bedeutet für die Anwohner einen gelungenen – und erforderlichen! – Umgang mit diesem dunklen Kapitel unserer deutschen Vergangenheit. Die dortige Denkstätte respektiert das vielfache Leid der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die zur Errichtung herangezogen wurden. Das Tanklager selber wurde unter ähnlichen Bedingungen errichtet! Auch hier wurden Zwangsarbeiter zur Errichtung herangezogen  –  alles war der menschenverachtenden Ideologie des 3. Reichs untergeordnet.

Und heute noch leiden wir Anwohner unter der monströsen Tanklager-Maschinerie: das anerkannt weltgrößte unterirdische Tanklager liegt heute inmitten unserer Wohngebiete, sogar inmitten des einzigen Bremer-Wasserschutzgebiets, das zur Trinkwassergewinnung herangezogen wird.

Allein diese beiden Punkte würden eine Neukonzeption eines jeglichen Tanklagers heute schon von vornherein verbieten!

Hinzu kommt, dass der größte Teil der technischen Grundausstattung noch auf dem Zustand und der Konzeption aus den 1930er Jahren basiert! Für die Genehmigung eines heutigen Tanklagers essentielle Anforderungen haben allein durch den Bestandschutz die Jahrzehnte überdauert:

  • einwandige unterirdische Tanks statt leckagesicherer zweiwandiger oberirdischer Behälter mit Auffangvorrichtungen[1]
  • diese sind genietet statt geschweißt und geprüft
  • über 100 km einwandige unterirdische Pipelines statt leckagesicherer zweiwandiger oberirdischer Leitungen
  • ungefilterte Entlüftungen der Diesel- und Kerosin-Tanks
  • und über all dem eine 80 Jahre „gewachsene“ Brandlast: ein im Sommer knochentrockener Nadelwald!

Zu unserer allergrößten Sorge befindet sich auf der – aus heutiger Sicht nicht mehr genehmigungsfähigen – Pipelinetrasse zwischen Tanklager und Weserhafen das Kinder- und Familienzentrum Farge-Rekum, ein Kindergarten, in dem sich 120 Kinder aufhalten.

Und als wäre dies noch nicht genug, befindet sich ausgerechnet auf dem Kindergartengelände ein explosionsgefährdeter Armaturenkeller („Ex-Schutz-Raum“) – und zwar direkt unter dem Gebäudeteil, in dem sich die ein- bis drei-jährigen Kinder aufhalten. Dieser mit Stacheldraht vom Kindergartenbetrieb abgezäunte Ex-Schutz-Bereich ist nicht ohne Grund so gekennzeichnet:  er birgt das Risiko, dass es dort zu einer Explosion kommen könnte… mit verheerenden, nämlich tödlichen Folgen für unsere Kinder!

Das Tanklager, das seinerzeit im ländlichen Bereich, fern der Bremer Siedlungen, errichtet wurde, liegt nun im Herzen eines Ortsteils. Das Schulzentrum „In den Sandwehen“ mit seinen über 850 Schülern grenzt direkt an das Tanklager und liegt genau in der Hauptwindrichtung der Abluftfahnen. Auch wenn dem Gesundheitsamt Bremen auf Nachfrage keine Informationen darüber vorliegen, so haben wir doch Aussagen aus verschiedenen Schülergenerationen bis in die jüngste Vergangenheit, die über Kraftstoffgeruch auf dem Schulhof berichten, oft gefolgt von nachmittäglichen Kopfschmerzen oder Übelkeit.

Sowohl durch seine 80-Jahre alte Grundkonzeption als auch durch ein anderes Herangehen als heutzutage kam es immer wieder zu mehr oder weniger genau protokollierten Umweltschädigungen, die zu umfangreichen Umweltschäden geführt haben:

Aus den vom Umweltamt Bremen veröffentlichten Untersuchungsberichten ist zu erkennen, dass sich auf dem Grundwasser (des Wasserschutzgebiets!) eine mehr als 80 cm dicke Giftstoff-Phase aus Treibstoffbestandteilen[2]  angesammelt hat. In einer Antwort des Bremer Umweltamtes ist sogar von stellenweise 2 m Mächtigkeit die Rede! Mit der Sanierung (Phasenschöpfung) wurde zwar in den letzten 3-4 Jahren begonnen, sie kann aber keinesfalls in den nächsten Jahren, vermutlich Jahrzehnten, erfolgreich abgeschlossen werden: die Schadstoffbelastung hat sich schon weit außerhalb der Liegenschaftsgrenzen des Tanklagers ausgebreitet; in vielen Straßenzügen wurde bereits vor der Grundwasserentnahme gewarnt, da z.B. vom krebserzeugenden Stoff Benzol seit Jahren Konzentrationen gemessen wurden, die den für Grundwasserverunreinigungen festgesetzten Schwellenwert um das über 10.000-fache überschreiten. Benzol verursacht neben Blutkrebserkrankungen wegen seiner systemischen Wirkung weitere Krebserkrankungen, Erbgutveränderungen und andere Gesundheitsschäden. Dies schlägt sich in einer erhöhten Krebsrate im Verseuchungsgebiet nieder, die je nach Auswertemethodik sogar als signifikant erhöht bezeichnet wird.

Außerdem sind umfangreiche Bodenverseuchungen ermittelt, aber längst noch nicht behoben! Auf dem Tanklagergelände wurden z.B. Tank-Schlämme vergraben; auch außerhalb des Geländes sind im Bereich alter Abwassergräben vom Tanklager zur Weser hin Schadstoffkonzentrationen in sogar geruchlich bereits wahrnehmbarer Konzentration vorhanden.

Zusätzlich zu den immensen Gesundheits- und Umwelt-Risiken erfahren Immobilienbesitzer einen schleichenden Wertverlust, der z.Z. zwar nicht quantifizierbar ist, sich aber in den entsprechenden Verhandlungsergebnissen deutlich widerspiegelt. Zahlreiche Leerstände im direkten Bereich des Tanklagers und insbesondere im Gebiet der Verseuchungen lassen die Vermutung der Unverkäuflichkeit zu.

Am 21. Januar 2014 hat nun unser Landesparlament, die Bremische Bürgerschaft, mit dem Beschluss des Antrags Drs 18/492 eine eindeutige Position für Gesamtbremen bezogen: in dem einstimmigen Beschluss, ohne Enthaltungen und Gegenstimmen, fordern alle Fraktionen eine endgültige Schließung des Tanklagers und  haben damit unseren großen Sorgen eine Stimme verliehen!

Die Kernforderungen des Beschlusses sind:

  1. Stilllegung des Tanklagers und Rückgabe der Betriebskonzession durch den Bund
  2. Entwicklung umweltfreundlicher Nachnutzungskonzepte, gemeinsam mit den Umlandgemeinden
  3. Sicherstellung und zeitnahe Umsetzung der Sanierungsverpflichtung des Bundes

Insbesondere bezgl. Punkt 1, der Stilllegung, sprechen wir Sie, Frau Dr. von der Leyen und Sie, Herrn Dr. Schäuble, an: der Bund als Besitzer der militärischen Liegenschaft samt Lager muss nun diese überfällige Entscheidung treffen und dabei unserem Wunsch nach einem sicheren Leben, ohne das Risiko einer zukünftigen weiteren Umweltbelastung, nachkommen.

Zurzeit befürchten wir, dass ein Verkauf durch die beauftragte Bundesimmobilienanstalt (BImA) dieser Entscheidung zuvorkommen könnte. Wir fordern Sie daher mit Nachdruck auf, die entsprechenden Vorgänge umgehend einzuleiten und damit dem Wunsch tausender direkt betroffener Nord-Bremer Bürgerinnen und Bürger zu entsprechen.

Als Anlage überreichen wir daher auch die von der Bürgerinitiative angestoßene Petition samt Zeichnerlisten.

Wir bitten Sie um kurzfristige Rückmeldung und Information, wie wir als Bürger bzw. als  Bürgerinitiative Ihnen hierbei zuarbeiten können.

Mit freundlichen Grüßen

Heidrun Pörtner                                           Dipl.-Ing. Henning Leber
1. Vorsitzende der Bürgerinitiative                  2. Vorsitzender
Sprecherin

Dipl.-Ing. Olaf Rehnisch
stellv. Vorsitzender

Anlagen

  • Zeichnerliste online über „openpetition.de“ (435 Mitzeichner)
  • Zeichnerlisten (900 Mitzeichner)

[1]gem. VAwS (Verordnung über Anlagen mit wassergefährdenden Stoffen)

[2]BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol) und MTBE (Methyl-tertiär-butylether): krebserregend;  Leichte Vergiftungen äußern sich in Schwindelgefühl, Brechreiz, Benommenheit und Apathie. Eine langzeitige Aufnahme kleinerer Benzolmengen führt vor allem zu Schädigungen der inneren Organe und des Knochenmarks. Bei einer schweren Vergiftung kommt es zu Fieber und Sehstörungen bis hin zu vorübergehender Erblindung und Bewusstlosigkeit. Xylole sind entzündlich und wirken gesundheitsschädigend bei Aufnahme über die Haut und die Atemwege. Sie können zum Beispiel Kopfschmerzen, Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Schwindel und Atemnot hervorrufen. Toluol verursacht Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden. Toluol ist fortpflanzungsgefährdend sowie fruchtschädigend. Die Inhalation von Toluoldämpfen kann zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Unwohlsein, Empfindungsstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und Bewusstseinverlust führen.