Wenn der Albtraum wahr wird: Umweltkatastrophe durch unterirdisches Öllager im Kreis Wittmund

etzel109_v-contentgross18.11.2013 Wie der NDR heute morgen berichtet ist es in einem unterirdischen Öl-Lager in Etzel, Landkreis Wittmund, zu einem Rohbruch gekommen, in dessen Folge große Mengen Öl ausgetreten sind und nun das Grundwasser und Trinkwasser bedrohen.

Der Sprecher der dortigen Bürgerinitiative „Lebensqualität Horsten – Etzel  – Marx“ sagte NDR 1 Niedersachsen: „Wir sind in größter Sorge, dass unser Grundwassser jetzt extrem gefährdet ist.“

Auch in Wittmund ist die IVG im Spiel. “TanQuid” war der Betreiber des Farger Tanklagers und übernahm 2007 die Tanklagerstandorte der IVG (Quelle: Wikipedia).
Und ebenso wie Umweltsenator Dr. Lohse und alle beteiligten Bremer Behörden stets versichern, daß „das Tanklager Farge sicher“ sei, dem „Stand der Technik“ entspreche und damit „unser Trinkwasser sicher“ sei, wurde dies auch in Etzel behauptet.

Die Kritik und Sorgen unserer Bürgerinitiative waren und sind also – leider – absolut berechtigt und angebracht.
Bremen darf nicht warten, bis uns ein ähnliches Schicksal ereilt!

Bericht SPIEGEL Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/oelunfall-in-ostfriesland-verschmutzt-fluesse-und-boden-a-934191.html

Link zu Website der Bürgerinitiative „Lebensqualität Horsten – Etzel  – Marx“
Facebookseite der BI: https://www.facebook.com/pages/BI-Lebensqualität-Horsten-Etzel-Marx-eV/

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Brief an Bundeskanzlerin Frau Merkel

Brief an die Bundeskanzlerin Frau Dr. MerkelAn das Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Bremen-Farge, den 28. August 2013

Umweltkatastrophe durch Tanklager Farge

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir bitten Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf eine der größten Umweltkatastrophen Deutschlands zu richten, deren Ausmaß seit Jahrzehnten unter Missachtung der Interessen der Bevölkerung mit dem Mantel militärischer Geheimhaltung zugedeckt wird.

Es handelt sich dabei um die gigantische Bodenverseuchung durch das unterirdische Tanklager in Bremen-Farge, das vom NS-Regime ab 1934 im Rahmen seinen Kriegsvorbereitungen errichtet wurde und dessen Eigentümer der Bund ist. Dieses Gebiet umfasst 320 Hektar und wird bis heute militärisch genutzt. Die Kontaminationen auf und unter diesem Gelände entstanden durch die jahrzehntelange Nutzung.

Das Ausmaß dieser sich ausdehnenden Verseuchung manifestiert sich darin, dass für den krebserzeugenden Stoff Benzol im Grundwasser seit Jahren Konzentrationen gemessen wurde, die den für Grundwasserverunreinigungen festgesetzten Schwellenwert um das 10.000-fache überschreiten. Benzol verursacht neben Blutkrebserkrankungen wegen seiner systemischen Wirkung weitere Krebserkrankungen, Erbgutveränderungen und andere Gesundheitsschäden. Dies schlägt sich in einer erhöhten Krebsrate im Verseuchungsgebiet nieder.

Neben dem hochgiftigen Benzol gefährden Dutzende weitere nicht weniger gefährliche Schadstoffe aus der breiten Palette der Kraftstoffchemie das Leben, die Gesundheit und das Trinkwasser von über 100.000 Bürgern in der Region Bremen, weil eine riesige, sich über viele Jahrzehnte unkontrolliert ausbreitende, Schadstofffahne, sich unaufhörlich auf die Grundwasserbrunnen des für die Stadt Bremen wichtigen Wasserwerkes im Ortsteil Blumenthal zubewegt. Die Behörden interpretieren die Ausbreitungsgeschwindigkeit allein anhand der Grundwasserströmung, ohne die örtlich gegebenen Umstände wie das beschleunigend wirkende Konzentrationsgefälle zu berücksichtigen.

Unsere privaten Brunnen sind bereits jetzt seit Jahren vergiftet! Den Anwohnern vieler Straßen empfahl der Senator für Umwelt, Bauen und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen 2009 und 2013: „Bitte nutzen Sie kein Grundwasser aus Gartenbrunnen.“

Diese Warnung wurde ohne Adressat als Postwurfsendung, und für viele zu spät, den betroffenen Haushalten zugestellt! Unsere Kinder und Enkel planschten Jahrzehnte im verseuchten Wasser, die Obst- und Gemüsegärten wurden vergiftet! Die Anwohner sehen sich um ihre Altersvorsorge gebracht, weil der Immobilienmarkt auf Grund der nicht mehr veräußerbaren Grundstücke zusammengebrochen ist.

Sehr geehrte Frau Merkel, wir wenden uns heute an Sie, in der Sorge, dass die von uns angesprochenen verantwortlichen Behörden und Regierungsstellen die Bevölkerung nicht in angemessener Weise informieren und von ihnen nicht alle notwendigen Schutzmaßnahmen in der Nachhaltigkeit beschlossen und durchgeführt werden, wie sie um Schaden von Leib und Leben der Bürger sowie von den Ländern Bremen und Niedersachsen fernzuhalten, dringend geboten wären. Wir sehen die zuständigen Stellen in der Bringschuld, proaktives Krisenmanagement zu betreiben, offen zu kommunizieren und den Bürgerauftrag zu erfüllen.

Involviert sind  von der Tanklagerproblematik primär die Ministerien Gesundheit, Umwelt, Finanzen, Verteidigung sowie Bauen und Verkehr. Mit einer Verweigerungshaltung nähme die Bundesregierung Schäden für Leben und Gesundheit der betroffenen Bürger und der künftigen Generationen billigend in Kauf.

Leider müssen wir feststellen, dass uns auch die Bremer Landesregierung nicht ausreichend unterstützt. So weigert sie sich unter dem Vorwand militärischer Geheimhaltung, ein existierendes ausführliches Gutachten zur Geschichte der Tanklagerproblematik der Öffentlichkeit zur Kenntnisnahme zu geben und hiermit dringend notwendige Aufklärungsarbeit mitzuleisten!

Diese Umweltkatastrophe spiegelt die technologischen Defizite des ca. 80-jährigen Tanklagers wider, das nach unserer Interpretation die heutigen Anforderungen an den Stand der Technik bei weitem nicht erfüllt, was wir auf Wunsch gerne konkretisieren. Angesichts dessen fragen wir uns, warum trotz dieses ungeheuren Risikopotenzials die Betriebsgenehmigung für das Tanklager nicht längst entzogen wurde.

Wir fragen uns in diesem Zusammenhang:

  • Hängt dies, mit durch öffentliche Ausschreibung dokumentierten, Plänen zusammen, das marode Tanklager mit seinen Altlasten an einen privaten Investor zu veräußern, um frisches Geld in die Bundeskassen zu spülen?
  • Würde sich die Bundesrepublik Deutschland damit nicht ihren durch das Grundgesetz auferlegten Verpflichtungen den Bürgern gegenüber in unangemessener Weise entziehen?
  • Könnte außerdem ein privater Investor seine Sanierungspflichten infolge zukünftiger Kontaminationen, für die er die Verantwortung tragen müsste, clever rechtlich umgehen?

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir bitten Sie, im Rahmen Ihrer Richtlinienkompetenz unsere Anliegen zu unterstützen. Sie sagten oft im Fernsehen: „Wir sind ein reiches Land“. Die Bundesrepublik hat auf nationaler Ebene ca. 70 Milliarden Euro für die Rettung von Banken ausgegeben, die als „systemrelevant“ eingestuft wurden.

Wir erwarten, dass für den Schutz von Leben und Gesundheit – und damit auch von Trinkwasser – für einen vergleichbaren Finanzeinsatz zeitnah gesorgt wird, weil dies systemrelevant für die Beachtung der grundgesetzlichen Bestimmungen zum Schutz von Leben und körperliche Unversehrtheit (Artikel 2), zum Sozialstaatsprinzip (Artikel 20) und zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen – auch für die zukünftigen Generationen (Artikel 20) ist.

Wir fordern, dass die Bundesregierung in Absprache mit dem Land Bremen ein Programm für die Lösung der Tanklagerproblematik vorlegt, das insbesondere folgende Eckpunkte beinhaltet:

  1. Vollständige Information der Bevölkerung über alle vorliegenden Erkenntnisse
  2. Erfassung aller wesentlichen Gesundheits- und Umweltrisiken
  3. Abriss des Tanklagers und seiner Errichtungen im Sinne eines vollständigen Rückbaues
  4. Einsatz aller technischen Möglichkeiten zur Bodensanierung, einschließlich großflächiger Auskofferung
  5. Entschädigung der betroffenen Bürger für immaterielle und materielle Schäden

Der Fall Tanklager Farge ist exemplarisch für die schwerwiegenden nationalen Defizite beim Schutz der Bevölkerung vor der gesundheitlichen Zerstörung durch langzeitige Wirkungsmechanismen von Schadstoffen. Schadstoffen, die im Gegensatz zu akuten und subakuten Prozessen von den Opfern wegen des „Zeitbombencharakters“ meistens nicht wahrgenommen werden.

Die Beseitigung dieser Missstände ist entscheidend für eine verantwortungsvolle Politik zur Verhütung toxischer Katastrophen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel, wir bitten Sie eindringlich um Ihre persönliche Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Heidrun Pörtner
Sprecherin der Bürgerinitiative

Reinhold Konstanty
Referatsleiter Gesundheitsschutz i.R.

Henning Leber
Dipl.-Ing. Maschinenbau

Olaf Rehnisch
Dipl.-Ing. Eisenhüttenkunde

Reinhard Reigert
Dipl.-Ing. Chemieingenieurwesen

Detlef Sowinski
Dipl.-Ing. Systemanalytik